Indonesien Experteninterview

Fettnäpfchen, Wissenswertes und mehr von unserem Reisespezialistin Matthias

Matthias stellt sich vor

Ich heiße Matthias Vogel, bin 34 Jahre alt und ein absoluter Südostasien-Fan. Indonesien liegt mir da besonders am Herzen. Ich habe an der Universität in Bonn Asienwissenschaften studiert, wobei mein Hauptfokus auf Bahasa Indonesia und seine Kultur, Geschichte, Politik und Wirtschaft in Südostasien lag.

Während des Studiums bekam ich ein 1 ½ jähriges Stipendium an der Gadjah Mada University in Yogyakarta für Indonesisch und Kultur, wodurch sich mein Faible für Indonesien intensivierte.

Mein Zweitstudium im Tourismusmanagement hat mir dazu verholfen meine favorisierte Branche, dem Tourismus, und mein Interesse und Fachwissen zu vereinen um erfolgreich und nachhaltig den Tourismus in Asien weiter zu entwickeln.

Entdeck die Welt stellt dafür die optimalen Voraussetzungen. Zuvor habe ich bereits intensive Erfahrungen mit indonesischen Geschäftspartnern und Kunden während meiner Tätigkeit im Asienvertrieb bei der Deutschen Welle (Mitglied der ARD) gesammelt.

Was bedeutet es für dich in Indonesien zu sein?

Indonesien stellt für mich meine zweite Heimat dar, weil zum einen der Großteil meiner Familie dort lebt und zum anderen weil der Archipel, durch sein Klima, seine einzigartige Kultur, Flora und Fauna einen besonderen Kontrast zu Deutschland darstellt. Ein halbes Jahr in Indonesien und ein halbes Jahr in Deutschland wäre, wenn beruflich machbar, ein absoluter Traum.

Welches ist die beste Reisezeit?

Da Indonesien als weltgrößter Inselstaat mit über 17.000 Inseln, verteilt auf eine Gesamtfläche von fast 2.000.000 km², riesig ist, ist diese Frage kaum pauschal zu beantworten. Grundsätzlich sollte man die Reise jedoch am besten von Mai bis Oktober planen.

Während man auf Java ganzjährig mit häufigen Niederschlägen, die sich auf die Nachmittage konzentrieren, rechnen muss, gibt es auf Sumatra keine prägnanten Regen- und Trockenzeiten, da der Südwestmonsun ganzjährig Feuchtigkeit über dem warmen Meer aufnimmt und in schauerartigen Niederschlägen freilässt. Das heißt allerdings nicht, dass man nicht genügend Sonnenstunden genießen kann. Die Schauer beginnen meist erst nach Sonnenuntergang.

Für Bali, Lombok und die östlichen Inseln, wie Flores, Komodo, Sumbawa usw. kann man von Mai bis Oktober mit trockenem und heißem Klima rechnen und von November bis März, bedingt durch den Nordwestmonsun, mit heftigen Niederschlägen und rauer See, wodurch Bootstouren in dieser Reisezeit nicht empfehlenswert sind und auch kaum angeboten werden.

Dein schönstes Indonesien-Erlebnis

DAS schönste Erlebnis kann ich wirklich nicht benennen. Eine Rundreise durch den Archipel an sich muss man einfach als Ganzes mal erlebt haben. Da ich sowohl an Vulkantouren, Dschungelabenteuern, Tauchen, Kultur, Flora und Fauna, sowie auch an Sonne, Strand und Meer interessiert bin, hat Indonesien für mich alles zu bieten.

Als großer Reptilienfan haben mich natürlich die Warane  in freier und geschützter Wildbahn auf Komodo und Rinca besonders fasziniert.

 

Die Bootsfahrt auf dem Rungan River auf Borneo, bei der man Orang Utans in freier Natur beobachten kann ist ebenso einzigartig.

 

Auf Java hat mich die mehrtägige Tour von Jakarta nach Bali begeistert. Sie beginnt aus einer heißen und hektischen Weltmetropole, die auch ein absolutes Shopping-Paradies ist und führt erst durch die angenehm kühlen und sauberen Regionen von Bogor und Bandung mit ihren einzigartigen Landschaften und dann zum kulturellen Herzen Javas, Yogyakarta. Hier, bei angenehmen Temperaturen, stehen die prächtigen Tempelanlagen Borobudur und Prambanan, sowie der Sultanpalast und die bekannte Malioboro Straße, mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten und Shoppingmöglichkeiten. Besonders abwechslungsreich und besonders ist eine Fahrt mit dem Jeep durch die Vulkanlandschaft und das Erlebnis eines Sonnenaufgangs am Krater vom Mount Bromo.

Diese Tour endete beim Sonnenuntergang am hinduistischen Meerestempel Tanah Lot auf Bali und anschließend am Strand von Jimbaran, wo einem ein Meeresfrüchte-BBQ, auf Kokosnussschalen gegrillt, angeboten wird, welches in Preis und Qualität seines Gleichen sucht.

 

Zeit zum Schnorcheln oder Relaxen hat man an Traumstränden auf Karimun Jawa, den Gili Islands und im Norden Lomboks oder auf Bunaken in Nordsulawesi.

Was sind deine fünf Lieblingsstrände?

Die Strände in Raja Ampat, West-Papua: eines der besten Tauch- und Schnorchelreviere der Welt, weiße Traumstrände und eine einzigartige Natur.

Tanjung Tinggi auf Belitung Island: Mit schneeweißem Sand, Granitfelsen und leichtem Wellengang sehr romantisch und traumhaft bei Sonnenuntergang. Kein Vergleich zum bekannteren Strand mit Granitfelsen auf den Sychellen.

Pink Beach im Komodo Nationalpark: Der Name kommt nicht von Ungefähr, die Farbe vom Strand verläuft von schneeweiß nach pink und besticht ansonsten durch eine einzigartige Unterwasserwelt.

Tanjung Kelayang Beach wiederum auf Belitung Island: Ähnlich Tanjung Tinggi, einfach traumhaft.

Tanhung A’an auf Lombok: naturbelassener Traumstrand, soweit das Auge reicht keine Verkaufsstände oder sonstige Anzeichen von Zivilisation.

Sind die Indonesier sehr gläubig?

Da Indonesien über die letzten Jahrhunderte, durch Handel, wechselnde Großreiche, Kolonialisation etc., einen abwechslungsreichen religiösen Wandel durchlaufen hat, von animistischen Glaubensrichtungen, über buddhistische, hinduistische, muslimische und christliche Einflüsse, entstand ein bis heute weitreichender Synkretismus aus Bestandteilen der verschiedenen Religionen, der sich auch im Bewusstsein der Bevölkerung widerspiegelt.

Obwohl Indonesien der größte muslimische Staat der Welt ist, bei ca. 240 Mio. Indonesiern sind ca. 90 % Muslime, ist der Großteil sehr moderat und weltoffen und viele definieren sich eher über ihre Kultur, als über ihre Religion. Der Glaube an sich spielt aber trotzdem bei jeder Religionsgemeinschaft eine wichtige Rolle und die Toleranz gegenüber anderen Religionen ist vorbildlich.

Ich persönlich habe an christlichen Feiertagen übrigens noch nie so volle Kirchen gesehen wie in Indonesien.

Warum wird Bali „die Insel der 1000 Tempel“ genannt?

Bali wird „die Insel der 1000 Tempel“ genannt, da überall auf der Insel kleine und größere Tempel zu finden sind. Da die Einwohner größtenteils hinduistisch sind und die Religion eine sehr große Rolle spielt, hat jedes Haus seinen eigenen Tempel.

Ansonsten sieht man an allen markanten Punkten, wie zum Beispiel Kreuzungen, Ortseinfahrten und ähnlichem kleinere Tempel.

Es gibt natürlich auch eine Vielzahl an großen Tempelanlagen.

Einer der berühmtesten Tempel des Hinduismus befindet sich ebenfalls auf Bali, der Muttertempel “Pura Besakih”, welches das wichtigste hinduistische Heiligtum Indonesiens darstellt.

Wie viele Sprachen gibt es in Indonesien?

Das ist schwer zu beantworten bei der Vielzahl an Inseln mit ihren eigenen Sprachen und Dialekten. Experten gehen von über 250 verschiedenen Sprachen aus und noch mehr Dialekten.

Als Beitrag zu einem vereinten Indonesien und um sich mit einer einheitlichen Sprache verständigen zu können, wurde nach der Unabhängigkeit Indonesiens Bahasa Indonesia zur Amtssprache erklärt.

In welches Fettnäpfchen kann man schnell als Deutscher treten?

Neben dem Verzicht auf Sandalen und weißen Tennissocken am Strand oder bauchfrei beim Stadtbummel, sollte man sich ein wenig mit der Kultur auseinandersetzen. Der Indonesier ist im Allgemeinen ruhiger und zurückhaltender und meist auch höflicher als der Durchschnitts-Europäer im Urlaub. Die ruhige Art sollte jedoch nicht als Schwäche angesehen werden, da sie kulturell bedingt ist.

Ebenso muss ein Ja nicht immer auch gleich Ja bedeuten. Der Respekt und die Höflichkeit vieler Indonesier macht es ihnen schwer ein Nein auszusprechen. Lautes und aufbrausendes Getue oder unnötige Beschwerden sollte man unterlassen, da der Service sowieso besser ist als hier zu Lande und die Servicemitarbeiter alles tun um es dem Gast recht zu machen.

Was war der imposanteste Tempel für dich?

Der Borobudur-Tempel bei Yogyakarta. Dafür dass der Tempel erst im neunzehnten Jahrhundert entdeckt wurde und 1835 von Vulkanasche und Vegetation freigelegt wurde ist es ein überwältigendes Gebäude.

Allein die Ausmaße machen es einem schwer zu glauben, dass dieses riesige Ding so lange unbemerkt blieb. Die einzelnen Etagen mit ihren Stupas und unzähligen Steinreliefen kann man einen ganzen Tag lang bestaunen ohne am Ende des Tages alles gesehen zu haben.

Der Ausblick von ganz oben über die weite Natur ist besonders beim Sonnenuntergang atemberaubend.

Wie sieht es mit Alkohol und dem Nachtleben in Indonesien aus?

Für’s Nachtleben und Partymachen eignen sich am besten Jakarta, und Bali, aber auch Yogyakarta hat einiges zu bieten. In Jakarta findet sich eine unbegrenzte Auswahl an Partymöglichkeiten, von Clubs für Touristen, Karaokebars, Tanztempel, deren Parkplätze oft vollgeparkt mit Lamborghins, Ferraris und Mercedes der „upper class“ sind und vieles mehr. An alkoholischen Getränken gibt es natürlich alles was man sich vorstellen kann, meistens jedoch sehr teuer, da die Alkoholsteuer sehr hoch ist. Bier, „Arak“ (Reisschnaps), „Tuak“ Palmwein und „Brem“ (Reiswein) sind, besonders in den Touristenorten, weit verbreitet. Das „Bintang“ Bier, eine „Heineken-Marke“, ist das beste Bier in Indonesien und wird wie deutsches Pils gebraut. Des Weiteren wird „Anker Bir“ und „Bali Hai“, beides „San Miguel“-Marken, überregional vertrieben. Beide sind jedoch nicht besonders Gaumenfreundlich. Da Bali, als hinduistische Enklave im muslimisch geprägten Indonesien, keine Beschränkungen hat bezüglich Alkoholkonsum, kann man dort auch außerhalb der Hotels und Supermärkte alles an alkoholischen Getränken bekommen. Bali bietet zudem eine riesige Partymeile mit Bars und Clubs.