Reisebericht Nepal

Wandern im "windigen Tal"

Nepal's Berge, Tempel und Dörfer

Ein Reisebericht von Romy

Nepal –  gelegen zwischen dem heutigen China und Indien ist bekannt für seine schneebedeckten Gipfel des Himalayas, ein Eldorado für Aktiv Reisende, Bergsteiger und Träumer. 

Wer auf das Dach der Welt möchte, muss früh aufstehen! Aufgrund der starken Winde gehen die Flüge in die Berge nur am frühen Morgen oder auch manchmal gar nicht. Mein Ausgangspunkt für meine 4 tägige Trekkingtour ist Pokhara, Anziehungspunkt für Touristen und das beste Beispiel für die Gegensätze Nepals. Die eisigen Gipfel des Himalayas grüßen an klaren Morgen die subtropische Ebene der Stadt. 

Mit gemischten Gefühlen sitze ich an meinem Fensterplatz der Twin Otter, die meinen Guide Bibek und mich nach Jomsom bringt. Das vergleichsweise kleine Flugzeug wird von den Winden durch die mächtigen Gipfel des Himalayas geschaukelt. Die Aussichten auf die schneebedeckten Berge und gewundenen Pfade, die von Wanderern und Vieh als Fußweg dienen, lösen meine Befürchtungen auf und ziehen mich in Ihren faszinierenden Bann. 

Angekommen in Jomsom muss alles sehr schnell gehen. Jede windstille Minute wird genutzt, um Flieger landen und abfliegen zu lassen. In der Ankunftshalle drängen sich einheimische Träger und buhlen um die Gunst der Guides. Wie in vielen Regionen Nepals werden die Träger vor Ort ‚angemietet‘, um so deren Einkommen zu sichern. Die wohl bekanntesten Träger sind die Sherpa. Eine Ethnie, die in den rauen Höhen des Himalayas  leben und Ihre Einkommen durch das Begleiten von Hochgebirgsexpeditionen wie zum Beispiel die Besteigung des Mt. Everests verdienen.  

Die Sonne scheint und ich lasse mich bei einem Kaffee, einem Nescafé mit viel Zucker und Milch, von der morgendlichen Betriebsamkeit des Ortes einfangen. Wanderer packen für Ihre bevorstehende Tour oder einen Flug, die Herde Esel beladen mit Waren für die umliegenden Ortschaften trappelt durch das Dorf und die kleinen Läden öffnen Ihre Türen. Überwacht wird die ganze Szenerie von den imposanten schneebedeckten Gipfel des Nilgiri und Dhalaugiri.

Kali Gandaki Tal - auch das "windige Tal" genannt

Meine Wanderung wird mich in den nächsten Tagen durch das Kali Gandaki Tal führen, auch bekannt als ‚windy valley – das windige Tal‘. Hinauf auf 3800m nach Muktinath, dem Pilgerort für Hindus als auch Buddhisten.

Unsere erste Station ist Kagbeni, Tor zum ehemaligen Königreich Mustang. Eine 2h stündige Wanderung führt uns durch ein trockenes Flusstal dorthin. Schon hinter der ersten Wegbiegung wartet eine erste Überraschung auf mich – nennen wir es eine Jugendweihe. Die Jungen der Familie erhalten eine Zeremonie, die Ihnen mit 8 Jahren erlaubt aktiv am Haushalt teilzunehmen. Neben Annehmlichkeiten wie am Tisch der Familie mitzuessen kommen auch Pflichten im Haushalt wie zum Beispiel Wasser holen und die Verantwortung für die Ordnung des Hauses auf sie zu. Begleitet wird die Zeremonie von Musik und Tanz. Die ganze Familie mit Angehörigen und Freunden kommt zusammen, um dieses Ereignis zu feiern. Man freut sich über mein Gesicht am Rande der Zeremonie, ist neugierig, woher ich komme und wohin mein Weg führt. 

Dann verlassen wir Jomsom und die Wanderung beginnt auf kleinen Pfaden und Schotterpisten. Ab und zu kommt ein Bus vorbei mit indischen Pilgern, Einheimischen und Touristen. Ziegenherden ziehen an uns vorbei. Der aufkommende Wind gibt eine Idee davon, woher der Name des Tales rührt. Nach 2h Wanderung erreichen wir Kagbeni. Kak bedeutet Krähe und Beni, die Stelle, wo sich Flüsse kreuzen. Die Kreuzungen werden als heilig betrachtet und sind Orte für spirituelle Waschungen. So auch hier - Familien haben sich eingefunden, um Ihren verstorbenen Familienmitgliedern zu huldigen. Wir sind gern gesehene Zuschauer. Neugierig beobachtet man unsere Gesichter.

Angekommen im Gasthaus heißt mich eine heiße Tasse Tee und ein köstliches Dal Bhat, das Nationalgericht der Nepalesen willkommen. Die Ausstattung dieser Lodges oder auch Guesthouses ist einfach. Es empfiehlt sich einen eigenen Schlafsack und Feuchttücher mitzubringen. Ich habe großes Glück der erste Gast zu sein und somit das Zimmer mit Aussicht auf den Nilgiri zu bekommen.

Am Nachmittag begebe ich mich auf eine kleine Wanderung ins nächstliegende Dorf. Touristen verirren sich nur selten hier her, umso erfreuter waren die Einwohner über unser Kommen. Wir streunen durch die verwinkelten Gassen des Ortes und besuchen das Kloster, was zu den Ältesten der Region gehört.

Am Abend besuche ich eine Puja, eine tägliche Ehrerweisung, ähnlich der christlichen Andacht im örtlichen Kloster. Das Besondere daran: es wohnen dort nur Jungs im Alter von 5 Jahren aufwärts. Für uns Gäste geben sie sich besonders große Mühe, die Gebete deutlich auszusprechen und zu singen.

Zurückgekommen im Guesthouse herrscht große Betriebsamkeit. Weitere Reisende sind angekommen und warten auf das verdiente köstliche Abendessen. Der Tag schließt mit Ausblick auf Umrisse des Himalayas, überwacht von einem romantischen Sternenhimmel.

Der Weg nach Muktinath

Der nächste Morgen beginnt auch wieder früh und mit einer kalten Dusche. Warmwasser ist in der Region Luxus und muss meist auch extra bezahlt werden. Ein kräftiges Frühstück stärkt für den Tag. Wir sind bereits auf 3400m.

Morgendliche Kühle, strahlender Sonnenschein und ein paar Yakkälber empfangen uns. Wir nehmen nicht den direkten Weg nach Muktinath, sondern nehmen einen der wenig begangenen Pfade. Weite, schneebedeckte Gipfel und wild grasende Pferde sind unsere Wegbegleiter. Stille kehrt ein, zwischen dem Guide, unserem Träger und mir. Bedächtiges Laufen auf Trockeneis, Geröll und Schotterpisten.

Am Wegesrand verdienen sich Mädchen ein kleines Taschengeld, indem sie uns Äpfel verkaufen. Es lohnt sich, sich in Jomsom mit getrockneten Äpfeln einzudecken – ein herrlicher Energielieferant während des Wanderns. In Lupra, einem wenig besuchten Dorf, ist es Zeit für ein verspätetes Mittagessen. Eine Instantnudelsuppe mit etwas Gemüse – der kulinarische Hochgenuss nach dem langen Vormittag. Eine ausgiebige Pause lässt uns zu Kräften kommen, bevor es weitergeht.

Das letzte Stück vor Muktinath ist recht steil und man sollte auch keine Angst vor Hängebrücken haben. Denn davon gibt es einige in Nepal. Wir erreichen unser Ziel recht spät am Abend. Viele Guesthouses sind bereits belegt von Wanderern, die runter vom Thorung La Pass kommen oder einfach auch schneller waren als wir.

Mein Guide kennt aber dann noch den Geheimtipp und so habe ich ein Bett für die Nacht, wohlbemerkt mit 2 Decken und einem Schlafsack. Es gibt sogar heißes Wasser, was eine absolute Wohltat nach dem langen Tag ist. In der Teestube des Hauses sitzen Guides von anderen Reisegruppen zusammen und feiern die erfolgreich beendete Annapurna Umrundung. Ein kurzes Abendmahl und dann unter dem großen Sternenzelt ab ins Bett.

Besuch im hinduistischen Vishnutempel

Muktinath gehört zu den bedeutendsten religiösen Plätzen im Himalaya. Oberhalb des Ortes liegt ein hinduistischer Vishnutempel mit 108 Wasserspeiern. Bereits am frühen Morgen sitzen die Sadhus vor dem Tempel und bereiten sich auf den kommenden Tag oder besser gesagt auf die ankommenden Pilger vor.

Auf dem gleichen Gelände befindet sich ebenfalls ein buddhistischer Schrein, der eine winzige von Naturgas am Leben gehaltene Flamme birgt. Die Pilger aus Indien nehmen den einfachen Weg und lassen sich mit dem Motorrad hochfahren, während ich mich an meinen Wanderschuhen erfreue. Es geht noch etwas schwer an diesem Morgen. Denn auch 3800m gehen nicht an mir spurlos vorüber.

Es ist ein faszinierender Ort, murmelnde Gebete, Glocken klingen, Gebetsfahnen und im Hintergrund die Riesen des Himalayas. Ich folge meinem Träger und vollziehe eine spirituelle Reinigung in den 108 Wasserspeiern des Tempels. Ein kurzes Gebet im Schrein und ich fühle mich geschützt für den Rest meiner Reise.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher in das nah gelegene Nonnenkloster - eine wunderbare Erfahrung. Die kleinen Mädchen schließen für uns extra den Tempel auf, wir dürfen ihnen Fragen stellen, in die Muschelhörner blasen und sogar die mächtigen Trommeln schlagen. Ihre volle Aufmerksamkeit erhalte ich, als ich zufällig mein Smartphone heraushole. Mit einem versteckten Gekicher und Neugier werden meine Bilder auf dem Telefon untersucht. Einer Einladung zum Tee können wir nicht wiederstehen. Es macht großen Spaß dort zu sein und die Mädchen in Ihrem Alltag zu beobachten. Ungern nehme ich hier nur Abschied. Nach einem frühen Mittagessen geht es wieder über Jarkoth zurück nach Kagbeni. 

In Jarkoth halten wir für einen ausgiebigen Tee im örtlichen Kloster und beobachten die Kinder beim Nepali Pool spielen. Ein Geheimtipp: Man kann auf das Dach des Klosters. Von dort hat man einen fantastischen Blick über das Tal.

Es ist bereits früher Nachmittag, als wir das Kloster verlassen.  Ein dramatischer Wind pfeift durch das Tal, der ein Weitergehen an manchen Stellen unmöglich macht und wir unsere Gesichter komplett vermummen müssen. Aussichten auf faszinierende Steinformationen begleiten unseren Rückweg. Angekommen in Kagbeni sinken wir alle zufrieden in unsere Betten.

Abstecher nach Marpha

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag nur nach Jomsom laufen und haben dann doch noch einen Abstecher nach Marpha gemacht. Bekannt für seine Äpfel liegt das charmante Örtchen am Fuße des Daulaghiri.

Auch hier begrüßt uns eine große Familienfeier. Hier wird die Tochter in die Verantwortlichkeiten des Haushalts eingeführt. Auch hier wird Musik gespielt, Frauen tragen riesige Töpfe mit Reis und Dhal umher. Der Mönch des örtlichen Klosters wartet nur auf uns, bis wir die steilen Stufen erklommen. Auch hier wieder wie an jeder Ecke ein fantastischer Ausblick.

Der Weg nach Jomsom hat es noch einmal in sich. Der Wind will es wissen, vor uns bläst es unaufhörlich. Der Versuch, den Bus zu nehmen scheitert. Denn er ist beladen mit Zement, Reis und anderen Waren. Da ist für Touristen kein Platz. Im nächsten Ort überholen wir ihn – er hat einen Schaden an der Achse und kann nicht weiter. Nicht ungewöhnlich in Nepal.  

Angekommen in Jomsom verabschiede ich mich von meinem Träger und genieße ein letztes Abendessen mit meinem Guide, bevor es am nächsten Morgen wieder in den Flieger geht. Entrückt komme ich am nächsten Morgen im heißen und trubeligen Pokhara an.