Reisebericht Mekong Delta Kreuzfahrt

Makellose Schönheit der "Reiskammer Vietnams"

von Uli


Früh reißt mich der Wecker aus dem Schlaf, oder war es doch das laute, morgendliche Flüstern Saigons? Nach einer kurzen Dusche und einem hastigen Frühstück, wartet mein komfortabler Shuttle-Bus am Hotel auf mich. Los geht es Richtung Mekong nach Cai Be. Das erwachende Ho Chi Minh ist durch Betriebsamkeit und Verkehrsstaus geprägt. Unser Fahrer tastet sich vorsichtig durch die Automassen. Nach einer Weile weichen die Hochhäuser und großen Straßen. Die Bebauung wird spärlicher und die  Grünflächen gewinnen die Oberhand, das ländliche und entspannte Gesicht des Landes kommt zum Vorschein.

Wir sind im Mekong-Delta; diese Reiskammer Vietnams besticht durch endlose Reisfelder auf der sich weiße Ibisse tummeln und Bauern mit Wasser-Büffeln ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Ich kann mich kaum an diesen intensiven Bildern satt sehen, so dass die dreistündige Autofahrt nach Cai Be wie im Flug vergeht. 

Plötzlich stehen wir an einem kleinen Pier am mächtigen Mekong, unsere Kreuzfahrt kann beginnen. Das Holzschiff ist eine gelungene Kombination aus Tradition und Luxus. Die ehemalige Reisbarke wurde von einheimischen Handwerkern liebevoll umgebaut. 14 schön ausgestattete Kabinen erwarten den anspruchsvollen Gast mit vielen Annehmlichkeiten wie Ventilatoren, Klimaanlage, schallgedämpfte Panorama-Fenster und natürlich Dusche und WC. Auch auf die traditionelle Bemalung des Schiffes am Bug mit riesigen Augen, die vor Unglück schützen, wurde Wert gelegt. Ich erkunde nach dem Check-in meine Kabine mit Begeisterung und entdecke eine Geheimtür, die mich direkt auf meinen, kleinen privaten Balkon, am Heck des Schiffes führt. Mir war sofort klar wie und wo ich diesen Abend verbringen werde!

Leinen los, die Mekong-Eyes setzt sich langsam, den Strom aufwärts in Bewegung. Reisen macht bekanntlich hungrig und so erwartet die anderen Gäste und mich ein kulinarisches vietnamesisches Highlight im Unterdeck. In zwangloser Atmosphäre und in kleinem Kreis tauscht man sich über die Reiseerlebnisse aus. Natürlich kann man sich auch von der vorbeiziehenden, traumhaften Kulisse verzaubern lassen. Nach dem Dessert stellt sich eine schwerwiegende Frage, Außen oder Sonnendeck, oder doch mein kleines Außen-Separee? Es kann nur eine Antwort geben….

Lasse mich sofort auf meine Deckchair plumpsen, öffne mit einem lauten „Plopp“ ein eiskalte Dose des einheimischen Bieres Larue – köstlich! Im Schatten meines kleinen Domizils bestaune ich den gigantischen Strom, der sich wie eine Schlange durch Mangroven und Dschungel windet. Bilder ziehen vorbei wie aus der Vergangenheit, beschauliche Fischerdörfer, langsam fließende Kanäle, winkende und lachende Kinder und eine zu tiefst friedliche Stimmung.

Nach der Mittagshitze steht am späten Nachmittag unser Landgang an. In einer kleinen Gruppe setzen wir über, an Land werden wir von unserem ortkundigen und freundlichen Guide in Empfang genommen. Es geht auf schmalen Pfaden durch verschlafene Dörfer und beschauliche Plantagen, auf der Suche  nach der verlorenen Zeit, Ho Chi Minh City ist Lichtjahre entfernt. Unser vietnamesischer Begleiter informiert uns über Früchte und Gemüsesorten die hier wachsen, unter anderem auch Zitronengras. Er weist uns darauf hin, dass wir VIP-Gäste sind, und es traditionell in Vietnam für solche Gäste ein spezielles Essen zubereitet wird: Schlange in Zitronengras gekocht. Mal sehen was das Abendessen bringt?

Wir erreichen ein kleines Gehöft mit schönem Innenhof, hier ist der Tisch  mit Tee, Bananen, Mango und Reisgebäck für uns gedeckt. Im Mekong-Delta gibt es eine kulinarische Besonderheit, süße Früchte wie Mango werden in einer Chille-Salz-Mischung vor dem Essen getunkt, recht eigenwillig aber trotzdem ein sehr gutes Geschmacksgefühl.

Wieder an Bord zurück, sollte man den Sundowner nicht auf dem Oberdeck vergessen, wenn die blutrote Sonne im letzten Tageslicht den Dschungel und den Mekong in pastellfarbenes Licht taucht. Nach dem köstlichen Abendessen, unter anderen mit Süßwasser-Garnelen, geht es schnell wieder zu meinem Shangri-La, dem kleinen Balkon.

Ich genieße die herankriechende Kühle des Flusses. Die Schiffsschraube gurgelt sanft und beruhigend am Heck. In den kleinen Dörfern am Ufer werden Lichter angezündet, die Geräusche des Urwalds werden lauter, die Dunkelheit hüllt das Leben in einen Umhang und der Mekong erzählt leise die ewige Geschichte von Kommen und Gehen. Das Glas Rotwein in meiner Hand wird langsam zu warm und mir fällt ein Zitat von Peter Scholl-Latour aus seinem Buch „Der Tod im Reisfeld“  ein:

"In Wirklichkeit lag die Faszination dieser Weltgegend im schwerelosen Lebensstil, in der oft makellosen Schönheit ihrer Menschen. Der kultivierte Europäer musste sich daneben fast barbarisch vorkommen."

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