Reisebericht Indonesien

Ein Reisebericht von unserer Reisespezialistin Tina

Eine Hochzeit auf der Straße

Wir befinden uns auf einer Hauptstraße in Lombok, irgendwo zwischen Mataram und Tetebatu. Im Gegensatz zum geschäftigen Bali, wo unsere Reise begann, sind die Straßen hier ruhig und leer. Hier und da sind Autos oder auch mal ein Eselskarren zu sehen; die obligatorischen Motorroller dominieren auch hier das Landschaftsbild (wenn auch nicht in so großer Zahl wie auf der Nachbarinsel).

Zunächst unbemerkt verändert sich das Bild: der Verkehr fließt zäher, die ersten Zuschauer tauchen am Straßenrand auf.

Zuschauer? Ja, richtig. Auch wenn man sich mittlerweile daran gewöhnt hat, in den weniger touristischen Gegenden der Insel als hochgewachsene Europäerin eine kleine Attraktion zu sein, gilt die Aufmerksamkeit der Menschen diesmal nicht mir bzw. uns. Nach kurzer Zeit kommt der gesamte Verkehr dann tatsächlich komplett zum Erliegen. Vor uns stauen sich besagte Autos, Motorroller, Eselskarren und jede Menge Fußgänger auf der Straße - was ist da los? Einziges Indiz für die Ursache des Trubels sind zwei kleiner rote Schirme, die in nicht allzu weiter Ferne aus der Menge hervorragen: Sie gehören zu Braut und Bräutigam dies riesigen Hochzeitstrosses, der durch den Ort zieht.

Kurzentschlossen geht es für ein kurzes Stück zu Fuß weiter. Durch die staunenden Zuschauer am Wegesrand bahnen wir uns den Weg nach vorn, um einen kleinen neugierigen Blick auf das Brautpaar zu erhaschen. In die festliche, traditionelle Robe der Insel gekleidet ziehen die beiden, begleitet von dutzenden Tänzern und musikalischer Begleitung durch die Straßen. Dass der Verkehr hinter der Feier praktisch zum Erliegen kommt, stört hier niemanden und wird auch von den Wartenden bereitwillig in Kauf genommen. An Wochenend-Nachmittagen "muss" man hier anscheinend mit so etwas rechnen. Der Zug des Brautpaares durch die Straßen ist Tradition und erfüllt einen wichtigen Zweck, so erklärt man mir später: Die Männer des Dorfes, die sich im Heiratsfähigen Alter befinden, müssen wissen dass die Braut sich nun für einen Mann entschieden hat - sie ist jetzt schließlich "weg vom Markt".

Eine Sasak Hochzeit auf Lombok

Einige Zeit lang lassen wir uns von den Rhythmen der Musik und dem Staunen der Menschen am Wegesrand mitreißen. Dieses für mich absolut neue Ereignis zieht mich so in seinen Bann, dass ich erst spät bemerke, wie sich die Neugier der Zuschauer langsam auf uns richtig. Nicht in unangenehmer Weise - das war es nie - nur ein kleines heimliches Handyfoto hier, ein schüchternes Winken da. Eigentlich sollte aber die Aufmerksamkeit hier und jetzt doch dem Brautpaar gelten! Das schlechte Gewissen schleicht um die Ecke - und verzieht sich aber wieder, als die ersten freundlichen Bitten um Fotos von/mit uns von den Umstehenden laut werden. Ein kollektives, begeistertes Winken zum Abschied und weiter geht unsere Reise, auf der wir das Glück hatten, einen so wichtigen Teil des hiesigen Lebens auf Lombok hautnah miterfahren zu dürfen.