Reisebericht Nepal - nach dem Erdbeben

Ein Reisebericht von unserem Reisespezialisten Matthias

Der Beginn eines Abenteuers

Majestätische Berge, wilde Tiere, warmherzige Einheimische, fantastische Tempelanlagen und leckeres Essen machten meine Studienreise nach Nepal zu einem faszinierenden und einzigartigen Erlebnis.

Nach dem großen Erdbeben in Nepal, das nicht nur, aber besonders stark, die Tourismusindustrie getroffen hat, habe ich zusammen mit weiteren Teilnehmern aus dem Journalismus und Tourismus die Möglichkeit erhalten das Land zu bereisen.
Bei meiner Tour durch das Land, das durch unseren Partner vor Ort gesponsort und organisiert wurde, konnte ich mir einen genauen Überblick über die aktuelle Lage verschaffen.

Ein wenig voreingenommen und beeinflusst durch die schrecklichen Bilder aus den Medien nach dem verheerenden Erdbeben war ich schon, aber ich konnte mit überraschender Freude feststellen, dass Nepal nicht in Schutt und Asche liegt. Es sollte sich sogar nach und nach immer mehr herausstellen, dass es immernoch absolut lohnenswert ist, Nepal zu bereisen und dass man sich (angesichts der jüngsten Ereignisse) als Besucher auch nicht "komisch" vorkommt. Im Gegenteil: Gerade jetzt braucht Nepal den Tourismus mehr denn je!

Auch wenn das Beben regional deutliche Spuren hinterlassen hat und Nepal zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, so zählt es kulturell und landschaftlich sicher zu einem der Reichsten.

Tag 1 - Ankunft in der turbulenten Hauptstadt Kathmandu

Mit einer abenteuerlichen Fahrt durch die wirren und ackerähnlichen Straßen Kathmandus geht es Richtung Süden zur Neydo Monastery in Pharping. Fliegende Händler, Verkehrschaos und herumtollende Affen in abenteuerlich verlegten Stromkabeln bestimmen größenteils das Stadtbild Kathmandus. Die Hauptstadt Nepals zählt sicher nicht zu den Schönsten, hat auf ihre eigene fremdartige Art jedoch einen gewissen Charme.

In Neydo angekommen wurden wir in einem kleinen aber sehr schönen Gasthaus, umgeben von grüner Vegetation und gegenüber des Klosters untergebracht.

Im Kloster hatten wir dann die erfreuliche Gelegenheit den Mönchen bei ihren Zeremonien im und außerhalb des Klosters beizuwohnen. Eine sehr eindrucksvolle Erfahrung die ich machen durfte.
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Tag 2 - Kulturelle Reise durch die alten Königsstätten Patan und Bhaktapur

Nach einem ruhigen Tag im Kloster ging es heute erneut durch den wuseligen Verkehr Kathmandus Richtung Durbar Square in Patan und Bhaktapur. Von den alten Königspalästen gibt es insgesamt drei im Kathmandutal. Sie zählen alle zum UNESCO Weltkulturerbe.
Die Paläste und Tempel bestechen durch eine einzigartige Farbenpracht, unzähligen Reliefs und Statuen, und einer faszinierenden Architektur. Gerade hier konnte man die Auswirkungen des Erdbebens besonders erkennen, da viele Gebäude eingestürzt waren und viele Tempel mit Holzstützen am Einstürzen gehindert werden müssen.

In Patan hatten wir außerdem das Glück, eine lebende Göttin anzutreffen. Die sogenannte Kumari, eine Mädchengöttin, die von Hinduisten und Buddhisten als Inkarnation der Göttin Taleju angesehen wird.

Nach einer jahrhundertealten Tradition wird im Kumari-Kult ein 3-4 jähriges Mädchen aus der buddhistischen Goldschmiedekaste der Newari von hohen Priestern und Astrologen nach ganz speziellen Kriterien in den Stand einer lebenden Göttin erhoben.

Eine faszinierende Erfahrung, wenngleich es mich auch ein wenig nachdenklich gemacht hat, da es nicht gerade ein altersgerechtes Leben für das Mädchen bedeutet. Aber Tradition bleibt Tradition und das sollte auch so bleiben.

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Tag 3 - Abenteuerliche Fahrt nach Chitwan über den berühmt berüchtigten Araniko Highway

Auf diesen Tag habe ich mich besonders gefreut, wenn gleich auch mit einem etwas mulmigen Gefühl. Es ging mit dem Bus über den berühmt berüchtigten Araniko Highway, der zu den gefährlichsten Straßen der Welt zählt. Er führt entlang einer bezaubernden Berglandschaft mit dichten grünen Wäldern und reißenden Flüssen. Trotz Monsumzeit hat es bis heute nicht einmal geregnet und die Fahrt verlief abenteuerlich aber sicher.

In Panauti angekommen wurde uns ein unvergesslicher Empfang der Einheimischen, des Stammes der Newar, bereitet. Im alten malerischen Stadtkern, dessen Mittelpunkt der älteste hinduistische Tempel Indreshwar Mahadev bildet, wurden wir mit traditionellen Tänzen und Musik empfangen und begrüßt. Das hier noch vor Wochen eine riesige Naturkatastrophe stattfand, war weder den Gebäuden noch den überaus freundlichen und lächelnden Einwohnern anzumerken.

Unsere Nacht verbrachten wir im „Panauti Homestay“, ein Projekt der Einheimischen, die Gäste in ihren Behausungen aufnehmen und am traditionellen Leben der Newar teilhaben lassen. Während eines Kochkurses für nepalesische Spezialitäten und einem gemeinsamen unterhaltsamen Abendessen, freundeten wir uns mit der Gastfamilie an und tauschten unzählige Geschichten aus der jeweils anderen "fremden" Kultur aus.

Wenn man Glück hat, und das Wetter mitspielt, kann man von Panauti aus einen atemberaubeden Blick auf den Himalaya und den König der Berge, den Mount Everest, genießen. Der beste Zeitraum dafür soll laut Herbergsvater September bis November sein.

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Tag 4 - Dschungelabenteuer und Kulturaustausch im Dorf der Tharu

Als großer Fan tropischer Flora und Fauna zählt dieser Tag zu meinen absoluten Highlights. Wir übernachteten in einem traditionellen Dorf der Tharu. Es sind einfache Lehmhäuser, die für Touristen jedoch sehr modern und westlich ausgestattet waren.

Wir besuchten den Nationalpark von Chitwan – das Zuhause von Tigern, Nashörnern, Elefanten, Schlangen, Krokodile und jede Menge andere Wildtiere.
Gleich zu Beginn unserer Safari huschte auch direkt eine riesige Python an unserem Wagen aus dem Dickicht vorbei.
Vorbei an Elefanten, Pfauen und Waldrindern legten wir einen Stopp an einem versteckten See, wo wir wilde Nashörner beim Baden zusehen konnten. Ein absoluter Traum diese riesigen vom Aussterben bedrohten Tiere in freier Wildbahn beim Planschen zu beobachten.

Am Abend wurden wir von den Einheimischen zu einer traditionellen Tanzvorführung eingeladen bei der ausgelassen gefeiert wurde.

Wenn man nach Nepal nicht nur wegen des Bergsteigens kommt, dann ist es ein absolutes Muss nach Chitwan zu kommen und diese herrliche Natur und die freundlichen Menschen vor Ort zu besuchen

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Tag 5 - Einblicke ins Leben der Exiltibeter und Eisvogelbeobachtungen am ruhigen Phewa See

Heute kamen wir in Pokhara, der zweitgrößten Stadt Nepals, an. Sie ist groß, aber viel ruhiger und weniger chaotisch als Kathmandu.

Der Tag begann mit einem traumhaften Sonnenaufgang in Sarangkot auf einer Aussichtsplattform mit Blick auf die zwei Achttausender Annapurna und Dhaulagiri. Mit diesen imposanten Bildern im Kopf ging es weiter zur tibetischen Exilsiedlung in Tashiling, wo wir uns die Geschichten der dort lebenden Tibeter, die bereits in der 3. Generation dort leben, anhörten und deren Behausungen besuchten.

Am Nachmittag besuchten wir den Phewa See, in dessem stillen Wasser sich die Achttausender des Himalayas bei gutem Wetter spiegeln. Der See lockt vor allem am Wochenende auch die einheimische Bevölkerung als Ausflugsziel an. Das Gebirge des Himalayas, der klare See mit seinen bunten Fischerbooten, angelnden Kindern, an der Promenade flanierende Pärchen, die wunderschöne Natur mit Eisvögel und bunten Schmetterlingen bilden ein Traumpanorama und lädt zum stundenlangen Verweilen ein.

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Tag 6 - Entspannter Tag im sonnigen und wunderschönen Pokhara

Am heutigen Tag stand Entspannung und Aufarbeitung der Unmengen an neuen Erlebnissen auf dem Programm.
Pohkhara bietet wunderschöne Hotels, in denen wir bei strahlendem Sonnenschein am Pool und bei einem Nepal Ice-Bier unsere Erfahrungen und Fotos untereinander austauschten. Nachmittags kann man auf der schönen Flaniermeile Souvenirs für die Daheimgebliebenden einkauften und am Abend in einem der netten offenen Restaurants mit sehr gutem nepalesischen und westlichen Mahlzeiten den Tag ausklingen lassen.

Dieser entspannter Tag hat bei mir hat bei mir große Vorfreude auf die Abenteuer der nächsten Tage erweckt.

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Tag 7 - Faszinierender Flug mit Yeti Airlines entlang der Achttausender des Himalayas

Ein weiteres Highlight stand auf dem Programm, ein Flug mit Yeti Airlines von Pokhara nach Kathmandu. Der winzige Flughafen wird nur von kleinen lokalen Propellermaschinen angeflogen und bietet mit seinen exotischen Airlines, kleinen Cafès und einer tollen Aussichtsterasse, von wo sich die startenden und landenden Kleinflugzeuge stundenlang beobachten lassen können, einen unverwechselbaren Charme. In so einer kleinen Maschine am Himalaya mit seinen Achttausendern vorbeizufliegen und das ganze auch noch bei schönstem Sonnenschein ist wirklich ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Auch wenn mir in dem kleinen Flieger ein wenig mulmig war, würde ich diesen Flug gerne nochmal wiederholen.

In Kathmandu angekommen ging es zur berühmten Stupa von Bodnath, einer der absoluten Highlights in Kathmandu. Vorbei an den Kunsthandwerkslädchen und Mönchen drehten wir unsere Runde im Urzeigersinn um die Stupa und drehten die ringsum angebrachten Gebetsmühlen.
Nachdem wir unsere Wünsche ausgesprochen hatten ging es zum außergewöhnlichsten Highlight unserer Reise, nach Pashtupathinat, einem der bedeutensten Hindu-Tempel der Welt.

Die vielen betenden Mönche vor fantastischen Tempeln von meisterlicher Architektur, die Zeremonien am Fluss einschließlich Totensäuberung und Verbrennung am Flussufer haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die traditionelle Verbrennung auf einem Scheiterhaufen ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, vor allem auch durch den beißenden Geruch in der Luft, jedoch ist es eine faszinierende Erfahrung an diese traditionellen Zeremonien dabeisein zu dürfen.

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Tag 8 - Bollywood, klauende Affen und Totenverbrennungen in Kathmandu

Ein neuer Tag - ein neues Highlight. Wir starteten den Tag mit einem Besuch des Affentempels von Swayambhunath. Dieser beeindruckende Tempelkomplex liegt im Westen Kathmandus und beinhaltet sowohl hinduistische als auch buddhistische Elemente und gilt neben dem Borobudur in Indonesien als älteste buddhistische Tempelanlage der Welt. Wieso dieser Tempelkomplex Affentempel genannt wird, wurde mir sehr schnell klar, da sich überall Primaten tummelten und darauf warteten den Besuchern etwas abluchsen zu können.

Ein Affe hat vor meinen Augen eine 1 Liter Limonademflasche aus einem Laden geklaut und nach ein paar Versuchen es geschafft diese in sicherer Entfernung zu öffnen und zu trinken.

Unten am Fuße des Tempels hatte ich das Glück Aufnahmen für einige Musikvideos im Bollywood-Stil mitzuerleben. Wunderschöne Frauen in traditionellen Saris tanzend zu Indisch- Nepalesischer Volksmusik und das vor der traumhaften Kulisse des Swayambhunath – einfach umwerfend.

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Mein Gesamtfazit der Nepal Reise

Rückblickend lässt sich sagen, ich habe ein neues Traumland für mich entdeckt, dessen manche fremdartigen Bräuche und Gegebenheiten einen besonderen Charme ausmachen und einfach dazugehören.

Die farbenfrohen Märkte, Tempel und Saris, sowie die unheimlich ehrliche und fröhliche Gastfreundschaft der Nepalesen runden mein überaus positives Gesamtbild von Nepal ab.